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04. April 2019

Schleswig-Holsteinischer Journalistenpreis 2018 verliehen – Ausschreibungsthema 2019 ist „Porträt“

Die Digitalisierung verständlich gemacht

Anerkennung für guten Journalismus (v.l.n.r.): DJV-Landesvorsitzender Arnold Petersen, die Preisträger Martin Schulte, Ulrich Metschies und Rafael Czajkowski, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und Reinhardt Hassenstein, Stiftung Kieler Presse-Klub. Foto: Thomas Eisenkrätzer

Die Digitalisierung ist ein Megathema – in der Politik, der Arbeitswelt und für die Medien selbst. „Digitalisierung auf allen Ebenen“ lautete auch das Thema des Schleswig-Holsteinischen Journalistenpreises 2018, den der DJV-Landesverband zusammen mit der Stiftung des Kieler Presse-Klubs zum vierten Mal ausgelobt hatte und der jetzt in Kiel verliehen wurde.

 

Trotz der Relevanz des Themas war das Echo auf die Ausschreibung zunächst verhalten: Zwar ist die Digitalisierung ständiges Nachrichtenthema, als Stoff für Reportagen oder Hintergründe schien sie aber auf Anhieb kein Selbstgänger zu sein. Das drehte sich im Laufe der Ausschreibung. Am Ende gingen rund 20 Bewerbungen ein. Der erste Preis, dotiert mit 2000 Euro, ging an Martin Schulte (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag). Über den zweiten Preis und 1000 Euro konnte sich Ulrich Metschies (Kieler Nachrichten) freuen. Rafael Czajkowski (NDR Schleswig-Holstein Magazin) erhielt den Nachwuchsförderpreis von 500 Euro, gestiftet von Jürgen Miethke. Die prämierten Beiträge sind unter www.djv-sh.de sowie dem Shortlink bit.ly/2XmORwe noch bis Anfang Mai abrufbar.

 

Schulte und Metschies waren bereits 2016 ausgezeichnet worden. Die Jury stellte das vor eine knifflige Frage: Müssten nicht auch einmal andere zum Zuge kommen, zumal wenn das Niveau ihrer Beiträge fast ebenbürtig sei? Oder allein danach zu entscheiden, welche Beiträge als die besten angesehen werden? „Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden und hoffen dafür auf allseitiges Verständnis und möglichst auch Zustimmung“, erläuterte Reinhardt Hassenstein, Vorsitzender der Stiftung Kieler Presse-Klub bei der feierlichen Preis-
übergabe in der Kieler Industrie- und Handelskammer. Widerspruch wurde nicht laut.

 

Schulte wurde für seine Reportage „Digital werden – echt bleiben“ ausgezeichnet. Der Autor hatte dafür über Monate den Stand der Digitalisierung im Lande ermittelt, Einschätzungen gesammelt,  vor Ort recherchiert und schließlich eine eigene Perspektive für ein Schleswig-Holstein im Digitalzeitalter entwickelt, ohne mögliche Risiken und Bedenken auszublenden. Die Jury wertete das als besonders gelungene Umsetzung eines untypischen Reportagethemas. Ulrich Metschies überzeugte mit dem Beitrag „Als die Daten laufen lernten“. In diesem ersten von zwei weiteren Beiträgen zeichnet er bildhaft und humorvoll die Anfänge der Digitalisierung nach. Auch die zusätzliche Online-Aufbereitung wertete die Jury als vorbildlich. Verantwortlich dafür und für Beistücke waren Kerstin Tietgen und Laura Treffenfeld. Dem Nachwuchspreisträger Rafael Czajkowski gelang es in seinem aktuellen TV-Beitrag besonders „anschaulich, verständlich und spannend“ darzustellen, wie die Polizei mutmaßlichen Straftätern mit Hilfe von digital hinterlassenen Spuren auf die Schliche kommt. Czajkowski spielte die Möglichkeiten anhand eines fiktiven Falls durch.

Spannend war ebenso der Festvortrag von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Er verfolge mit Sorge, dass die Berichterstattung personell immer mehr ausgedünnt werde, während die Pressestellen stetig aufwüchsen, bekannte Günther. „Da kommen wir an eine Grenze“, sagte er und brachte Stiftungsmodelle und Fonds nach skandinavischem Vorbild für einen regionalen und lokalen Qualitätsjournalismus ins Gespräch. Er sei bereit, mit den Verlagen darüber zu reden. Der Regierungschef bedauerte auch, dass als Folge der Zentralredaktionen nur noch ein einziger Korrespondent in Berlin die Bundespolitik mit Schleswig-Holstein-Bezug verfolge. Aber auch den Journalistinnen und Journalisten hielt Günther einen Spiegel vor. Sie sollten sich nicht an den sogenannten Leitmedien orientieren, sondern eigene Akzente setzen und den Blick für die Relevanz mancher Themen schärfen, über die groß berichtet werde.

 

Der DJV-Landesvorsitzende Arnold Petersen betonte, der Schleswig-Holsteinische Journalistenpreis diene nicht der Selbstbeweihräucherung. Er solle vielmehr Ansporn für qualitativ guten Journalismus sein und dessen Wert aufzeigen. Petersen rief dazu auf, die Kritik am Medienbetrieb ernst zu nehmen und die eigene Arbeit noch stärker zu reflektieren.

 

In diesem Jahr steht der Wettbewerb unter dem Motto „Das Porträt – Interessante Menschen aus Schleswig-Holstein“. Bewerbungen sind mit Bekanntgabe der Ausschreibung möglich unter www.djv-sh.de.

red