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01. April 2020

Hamburger Morgenpost mit neuem Eigner

Erleichterung nach Ende der Hängepartie

Die älteste bundesdeutsche Boulevard-Zeitung bleibt erhalten (Foto: Stefan Endter)

Unter dem Slogan „Rettet die Mopo“ haben die Morgenpost-Beschäftigten für den Erhalt des Traditionsblattes gekämpft. Ihr Einsatz hat sich gelohnt. Mit dem Verkauf an den Xing-Manager Arist von Harpe scheint sie tatsächlich eine Zukunft zu haben. Der Wirtschaftsingenieur ist seit dem 1. März Gesellschafter der Morgenpost Verlag GmbH. Kaum Eigentümer, hat von Harpe gehandelt und die Führung in Verlag und Redaktion ausgetauscht. Der langjährige Chefredakteur Frank Niggemeier muss den Verlag ebenso verlassen wie sein Stellvertreter Alexander Krug. Als Chefredakteur zeichnet nun Maik Koltermann verantwortlich, der bereits früher als Vize an Bord war. Die Geschäftsführung übernimmt von Harpe selbst. Mit-Geschäftsführerin Susan Molzow wollte den Verlag im Rahmen eines Management-Buy-outs ebenfalls übernehmen. Als Christoph Bauer, CEO der DuMont-Mediengruppe, den Beschäftigten Anfang Februar in einer Mitarbeiterversammlung den 41-Jährigen als neuen Mopo-Eigner vorstellte, war – wie Teilnehmer bestätigen – die Erleichterung mit Händen zu greifen.

Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner: „Wir sind froh, dass diese ein Jahr währende Hängepartie ein Ende gefunden hat und wir uns wieder auf unsere Arbeit konzentrieren können. Wir freuen uns, dass ein Eigentümer gefunden wurde, der die Morgenpost als Ganzes erhält, sich zur Belegschaft bekennt und unser Engagement zu schätzen weiß.“ Tatsächlich machen die ersten Statements Hoffnung. Von Harpes Bekenntnis zur Print-Ausgabe, dem Herzstück der Mopo, bekräftigte er in einem Interview mit Horizont. Der gebürtige Düsseldorfer: „Sie (die Mopo) ist eine Institution mit einem ganz besonderen Lokalkolorit und mit einer coolen Marke, an der mein Herzblut hängt. Und ich bezweifle stark, dass Lokaljournalismus tot sei, wie manche sagen.“ Er denke nicht, dass „nur Kostensenken und Sparen an der journalistischen Qualität, wie es andere Verlage derzeit vorführen“ ein Zukunftsmodell sei. Von Harpe weiter: „Die Mopo ist frech, manchmal schnoddrig und stolz. Sie ist mit Lokal- und Boulevardzeitungen in anderen Städten nicht zu vergleichen, hat eine ganz eigene Stimme. Sie gehört zu Hamburg wie der Kiez, der Fischmarkt oder die Beginner. Eine echte Perle. Wer in Hamburg lebt, der spürt das.“ 

Zudem spricht er sich für eine Stärkung des Online-Journalismus aus. Vor dem Verkauf, den der bisherige Eigentümer DuMont immer wieder verschoben hatte, war bekannt geworden, dass das Kölner Verlagshaus mit der Funke-Mediengruppe allein über den Verkauf der Digitalmarke verhandelt hatte. Dies hätte das Risiko einer Einstellung der Print-Ausgabe massiv erhöht. Der DJV hatte daher nachdrücklich an DuMont appelliert, die Mopo nur als publizistische Einheit zu verkaufen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten sich mit zahlreichen Aktionen und Demonstrationen für den Erhalt eingesetzt. Auch aus der Politik war parteiübergreifend Unterstützung gekommen.

Stefan Endter