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17. August 2016

NOZ und sh:z

Wohin geht die Reise beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag?

Wo große Mediengruppen entstehen, ist der Stellenabbau nicht weit, siehe Madsack, Funke oder DuMont. Zentralredaktionen gelten als Zauberformel gegen bröckelnde Auflagen, lässt sich doch so Personal in den Mantelressorts einsparen.

NOZ Außenaufnahme

 

Der inzwischen vom Kartellamt abgesegnete Kauf der Mediengruppe Nord mit sh:z Verlag und dem Zeitungsverlag Schwerin durch die NOZ Mediengruppe muss deshalb alarmieren. Mit einem Schlag katapultierten sich die Osnabrücker in den Kreis der zehn größten regionalen Zeitungshäuser in Deutschland. Und der inzwischen geschasste NOZ-Geschäftsführer Christoph Niemöller bekundete noch Mitte Mai Appetit auf mehr. Man wolle einer der fünf großen Zeitungsverlage in Deutschland werden.

Doch der „Hammerdeal“, wie die Übernahme der Flensburger in Osnabrück genannt wird, hat die Redaktionen in beiden Häusern bisher nicht sonderlich aufgeschreckt. Bei der NOZ herrschte „eher positives Staunen“, so der Betriebsratsvorsitzende Thomas Niemeier.   Steckte die Neue Osnabrücker Zeitung noch vor Jahren in einer bedrohlichen Krise, steht sie inzwischen gut da. Die Online-Aktivitäten stärken Umsatz und Auflage, die Redaktion ist nicht geschrumpft, sondern gewachsen. Das sei schon „einzigartig“, meint Niemeier. Vor allem aber lobt er den Kulturwandel. Offener, kommunikativer, selbstbestimmter gehe es zu.

In Osnabrück, so klingt das, ist die Welt in Ordnung. Oder besser war. Denn völlig überraschend musste Ende Mai Niemöller gehen. Seine  Aufgaben hat Axel Gleie übernommen – zusätzlich zur Geschäftsführung der Medienholding Nord.  Gleie kommt von der NOZ, er hat hier bis 2009 einen harten Sanierungskurs gefahren und war dann nach Flensburg gewechselt. Dass die Redaktionen in beiden Häusern jetzt nach einem Haustarif bezahlt werden, ist sein Werk. In Flensburg ist diese Vergütungsordnung deutlich schmaler als in Osnabrück. Der Umbau der NOZ-Geschäftsführung durch die beiden Gesellschafterfamilien sorgt nun für erhebliche Irritationen. Muss die Belegschaft den Gürtel enger schnallen, um den Kauf der Medienholding Nord zu finanzieren?

In den sh:z-Redaktionen sind die Gefühle gemischt. Einerseits wächst die Sorge vor Arbeitsplatzverlust angesichts der angestrebten engeren Verzahnung mit der NOZ. Andererseits beruhigt man sich damit, dass die Personaldecke bereits so dünn gestrickt ist, dass eigentlich nichts mehr weggeschnitten werden könne, zumal der Schwerpunkt klar auf der Lokalberichterstattung liegt. Man möchte den Kolleginnen und Kollegen wünschen, dass sie richtig liegen. Aber der allgemeine Trend sieht anders aus.  

 

Arnold Petersen